Der legendäre Glanz des Schwabinger Nachtlebens ist verblasst – Der Kultfaktor ist geblieben
Die Sehnsucht nach neuer Blüte
Eigentlich dürfte es das Lokal schon gar nicht mehr geben. Seit Jahren hängt die Abrissbirne über der Schwabinger 7. Jetzt kam noch mal die Verlängerung bis Jahresende. „Der Käufer hat momentan wohl nicht das Geld für Abriss und Wiederaufbau“, teilt die Bedienung mit. 37 Jahre hat die Kneipe auf dem Buckel und die Bezeichnung „Kult“ verdient – wie so vieles in Schwabing!
Die Schwabinger 7, in der Szene liebevoll SchwaSi genannt, ist jener Laden, über den Jürgen Mair, Chef der In-Disco Paradiso im Glockenbach jüngst behauptete: „Dort dad i net amoi a Glasl olanga!“ Es ging um die Diskussion, ob das Glockenbachviertel seine Position als Szene-Bastion Münchens allmählich verliert, weil Registratur und Café King die Segel streichen mussten, um Platz zu machen für Gewerbeflächen und Luxus- Wohnungen.
Gelangt Schwabing als Partymeile so zu neuer Blüte gelangt? Bei der Kneipentour waren die Gläser in der SchwaSi gut gefüllt, keine Grund zur Klage. Das Ambiente indes mit „Retro“ zu bezeichnen, wäre übertrieben. Es erweckt Erinnerungen an Partykeller- Ambiente der 70er Jahre mit Tropfkerzen auf den Tischen.
Das Publikum allerdings ist nicht viel älter als die Kneipe selbst, aber nicht gestylt wie am Gärtnerplatz, sondern praktisch gewandet in Pullover und Anorak. Dazwischen ältere Stammgäste, die die günstigen Getränke schätzen (Bier 2,80Euro, Viertel Wein 2,90 Euro).
Das gilt für das ganze Bermudadreieck um Occam- und Feilitzstraße. Unaufgeregte Kneipen mit langer Tradition wie die Keller- Disco Albatros, ebenfalls entstanden in einer Zeit, als Musiklokale noch Diskotheken und nicht Clubs hießen. 20 Jahre ist das her, irgendwie scheint die Zeit still gestanden zu sein. Abgesehen von der Tatsache, dass es damals noch kein Bezahlfernsehen gab. An jeder zweiten Kneipe prangt das Logo von Sky um die Gäste mit Fußball anzulocken. Für einen Szene- Hype taugt das Viertel derzeit nicht – doch das scheint auch nichts (mehr) aus zu machen.
Das war in den 80er- und 90er- Jahren noch ganz anders, als dort der Wolkenkratzer im Dachgeschoss des Hertie-Hochhaus mit Schiebedach über der Tanzfläche für Furore sorgte und die Babalu-Bar selbst den Tagesthemen eine bunte Meldung wert war. Hertie und Wolkenkratzer gibt’s nicht mehr, die Nachfolge- Location Skyline spielt im Reigen der Münchner Top-Clubs eine untergeordnete Rolle. Als vor drei Jahren Nightlife-Größen ihren Pure Club eröffneten, wollten sie das enorme Potential wecken.18 Monate später machten sie dicht, jetzt ist dort eine Spielothek.
Doch auch Szene-Gastronom Rudi Kull glaubt an die Zukunft. „Schwabing ist ein besonderes Pflaster, die Leute sind treuer, gemütlicher als anderswo“, sagt der Riva-Chef. Was umgekehrt bedeutet, dass es neue Läden nicht einfach haben. Das räumt auch Kull ein: „Leicht ist’s nicht. Aber mittlerweile sind wir zufrieden.“ Eines aber bedauert er: „Dass es das Caféhaus-Sitzen auf der Leopoldstraße wie früher im Venezia oder Rialto nicht mehr gibt.“ Schwabing zwischen gestern nun morgen ...


